KI Content und der AI Act: Was Selbstständige und kleine Unternehmen jetzt wissen müssen

Seit dem 2. August 2026 gilt in der EU eine neue Regel für KI Inhalte. Plötzlich taucht überall die Frage auf: muss ich jetzt jedes KI Bild und jeden KI Text kennzeichnen? Ich hab mir das für dich genau angeschaut und alles zusammengefasst, was du als Selbstständige oder kleines Unternehmen wissen musst.

Was ist der EU AI Act?

Die europäische KI Verordnung regelt seit 2024 den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Europa. Sie soll KI sicher und transparent machen und gleichzeitig Innovation ermöglichen. Artikel 50 betrifft die Kennzeichnung von KI Inhalten und greift ab dem 2. August 2026.


Die wichtigsten Fristen

2. August 2026: Die Kennzeichnungspflicht tritt in Kraft, für alle neuen Inhalte ab sofort gültig.

2. Dezember 2026: Die Übergangsfrist für Inhalte, die schon vor dem 2. August veröffentlicht wurden, endet. Betroffene Altinhalte müssen bis dahin nachträglich gekennzeichnet sein.

Was bei Bildern gilt

Muss gekennzeichnet werden: Deepfakes, also KI Bilder oder Videos, die täuschend echt wirken. Angebliche Kundinnen, Mitarbeitende, Geschäftsräume, Events oder Vorher Nachher Bilder, die es so nicht gibt.

Muss nicht gekennzeichnet werden: Klar erkennbare Illustrationen oder Grafiken. Infografiken und Diagramme. Bewusst künstlich wirkende, stilisierte Bildsprache.

Was ist mit Stockfotos?

Klassische Stockfotos, echte Fotos von echten Fotografinnen, sind kein KI Content und bleiben unkritisch. KI generierte Bilder von Stockplattformen wie Canva oder Adobe Stock zählen aber genauso wie selbst erstellte KI Bilder. Wirkt das Bild wie eine echte Person, ein echter Ort oder eine echte Situation, gilt dieselbe Regel: kennzeichnen. Die Herkunft des Bildes spielt keine Rolle, nur wie es wirkt.

Was bei Texten gilt

Muss gekennzeichnet werden: KI generierte Texte zu Themen von öffentlichem Interesse, wenn sie ohne menschliche Prüfung veröffentlicht werden.

Muss nicht gekennzeichnet werden: Marketing und Website Texte. Blogartikel, die du liest und freigibst, so wie diesen hier. Social Media Captions.

Entscheidend ist die redaktionelle Kontrolle. Liest und prüfst du einen Text vor der Veröffentlichung, egal ob du ihn selbst geschrieben, gemeinsam mit KI entwickelt oder komplett von KI hast schreiben lassen, greift die Kennzeichnungspflicht in der Regel nicht.

Was ist mit Tools und Software?

Ob eine Software oder ein Tool mit KI Unterstützung programmiert wurde, spielt für die Kennzeichnungspflicht keine Rolle. Funktionale Anwendungen wie Generatoren, Rechner oder Konfiguratoren, die keinen synthetischen Content wie Bild, Text oder Video ausgeben, sind unkritisch. Relevant wird es nur bei Chatbots, wenn Nutzerinnen glauben könnten, mit einem Menschen zu sprechen.

Checkliste: das musst du jetzt tun

  • Prüfe, ob du KI generierte Bilder nutzt, die wie echte Kundinnen, Räume oder Situationen wirken sollen. Wenn ja, kennzeichne sie ab sofort sichtbar.

  • Prüfe deine Texte, ob du sie vor Veröffentlichung liest und freigibst. Wenn ja, ist keine Kennzeichnung nötig, du hast die redaktionelle Kontrolle.

  • Achte bei neuen Inhalten direkt auf diese Regeln, die Pflicht gilt ab sofort ohne Übergangsfrist.

Checkliste: das musst du bis zum 2. Dezember tun

  • Geh deine bisherigen Bilder und Videos durch. Suche gezielt nach Deepfake artigen Inhalten, also Fake Testimonials, Fake Kundenfotos oder inszenierten Situationen, die als echt wirken sollten.

  • Kennzeichne diese nachträglich, falls vorhanden. Bis zum 2. Dezember 2026 hast du dafür Zeit.

Kein Grund zur Panik

Die neue Regel klingt erstmal nach viel Aufwand, betrifft im Alltag der meisten Selbstständigen aber nur wenige konkrete Fälle. Marketing Texte, Blogartikel und Website Inhalte, die du selbst liest und freigibst, sind in der Regel unkritisch. Kritisch wird es vor allem dort, wo KI Inhalte echte Menschen, echte Orte oder echte Situationen vortäuschen sollen.

Wichtiger Hinweis

Ich bin keine Rechtsanwältin. Diese Infos sind nur eine Orientierung, keine Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen zu deinem Fall sprich bitte unbedingt mit jemandem vom Fach.

Quellen

Europäische Kommission, Verhaltenskodex für die Transparenz von KI-generierten Inhalten (Art. 50 AI Act)https://digital-strategy.ec.europa.eu/de/policies/code-practice-ai-generated-content
Handelsblatt, AI-Act: Wer jetzt KI-Generiertes labeln muss und wer nicht https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/neue-eu-regeln-zu-ki-ai-act-wer-jetzt-ki-generiertes-labeln-muss-und-wer-nicht/100244046.html
ZDF, KI muss nun gekennzeichnet werden: Was der EU AI Act bedeutet https://www.zdfheute.de/ratgeber/ki-kuenstliche-intelligenz-ai-act-eu-100.html
IHK Köln, KI-Verordnung: Neue Transparenzpflichten ab August 2026https://www.ihk.de/koeln/hauptnavigation/digitalisierung-und-innovation/digitalisierung/transparenzpflichten-nach-der-ki-verordnung-7100068
für-gründer.de, EU AI Act: KI-Kennzeichnungspflicht ab August https://www.fuer-gruender.de/blog/ai-act-ki-kennzeichnungspflicht/
digiknall.at, EU AI Act: Was ab August 2026 für KI-Content gilt https://www.digiknall.at/newsroom/eu-ai-act-was-ab-august-2026-fr-ki-content-gilt
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